Telefon Sekretariat: 09664/9134 - 50

 

Kompetent, lebendig und fundiert vermittelte die Referentin Sabine Leistner den Grundsatz des Begriffes „Nachhaltigkeit“. Im Rahmen der Woche der Nachhaltigkeit wurde von den Soziales-Gruppen der 10. Klassen der Mittelschule Hahnbach mit ihren Fachlehrkräften Franziska Siegert und Lydia Demleitner-Kotz ein Vortrag der Steuerungsgruppe „fair trade“ in Regensburg organisiert. Im Zentrum stand die Frage: „Wie kann ich umwelt- und ressourcenschonend wirtschaften und handeln, ohne mein Leben auf Kosten anderer zu gestalten. Es wird nur so viel verbraucht, wie die Welt verträgt, auch in Bezug auf kommende Generationen, frei nach dem Motto: „You are not alone!“

In Eine-Welt-Läden würden Produkte verkauft, die wie selbstverständlich zu unserem Alltag gehören, deren Rohmaterial aber nicht bei uns geerntet wird, sondern in Drittländern. Es handelt sich hierbei vor allem um Kaffee, Kakao, Reis, Gewürze, Orangen, Bananen und vieles mehr.

Zunächst jedoch sprach Frau Leistner Kleidungsmaterial an. Hier werden tierische, pflanzliche und synthetische Fasern aus Erdöl (Polyester, Acryl) unterschieden. Letztere würden sich aber nicht so angenehm auf der Haut anfühlen. Die Referentin berichtete über Wolle von Schafen, Alpakas, Angoraziegen und -kaninchen; Seide von Seidenspinnerraupen; pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Leinen, Jute.

Etwas ausführlicher ging Frau Leistner auf die Baumwollproduktion mit ihren vielen Nachteilen ein. Die riesigen Monokulturen würden 20 bis 25 Mal pro Anbauperiode mit Pestiziden gespritzt, wobei die Arbeiter ohne Schutzmaske oder Schutzkleidung arbeiten würden. Zudem verursacht die Baumwollproduktion einen immensen Wasserverbrauch, der beispielsweise in Usbekistan fast zum völligen Austrocknen des Aralsees geführt hat (Fläche so groß wie Bayern), weil zwei Flüsse auf Baumwollfelder umgeleitet wurden. Auch die niedrigen Löhne, die die Bauern für ihre schwere Arbeit von Zwischenhändlern der großen Firmen erhalten, war ein Thema. Aufgrund fehlender Schulbildung können sie nicht handeln und müssen sich mit den angebotenen Verdiensten zufrieden geben. Nicht zuletzt ist Kinderarbeit eine schwerwiegende Begleiterscheinung. 90 Millionen Kinder müssen weltweit als billige Arbeitskräfte mithelfen. Oft leiden sie an extremen Hauterkrankungen, da sie bei der Ernte ohne Schutz inmitten der gespritzten Pflanzen stehen. Kinderarbeit ist übrigens auch bei der Produktion von Fußbällen ein Thema. 80 bis 90% aller Bälle werden in Pakistan von Kindern hergestellt.

Der Hauptlieferant von Baumwolle ist Usbekistan.

Vernäht werden die Stoffe in Asien. Warum? Gearbeitet wird 12 bis 16 Stunden am Tag von Montag bis einschließlich Sonntag. Die Fabriken entsprechen bei Weitem nicht unseren Sicherheitsstandards, so dass es immer wieder zu Unfällen durch einstürzende Gebäude kommt, bei welchen schon viele Arbeiter den Tod fanden.

Bis eine Jeans zu uns nach Deutschland kommt hat das Material etwa 50.000 Kilometer zurückgelegt. 8.000 Liter Wasser wurden verbraucht. Die blaue Abwasserfarbe ist an Flussmündungen aus der Vogelperspektive erkennbar. Die Jeans werden aufgrund der Mode zudem gezielt sandgestrahlt. Das erzeugt Staub-Lungen bei den Arbeitern.

Und wie lange wird so eine Jeans getragen? In den Warenhäusern erfolgt alle 4 Wochen ein Sortimentswechsel. Kleidung, die nach kurzer Zeit unmodern ist oder nicht mehr gefällt, könnte fairer Weise bei einem Kleiderkreisel (Internetplattform) billiger ver- oder gekauft werden. Allerdings werden dadurch viele Pakete hin und hergeschickt (Energieverbrauch). Zudem gibt es viele Altkleidercontainer oder Altkleidersammlungen. Bei Kleidertauschparties würden Kleidungsstücke bei Kaffee und Kuchen und angenehmer Atmosphäre ausgetauscht. Für Handys gäbe es oft auch Sammlungen. Wertvolle Metalle aus alten Schubladenhandys würden dabei recyclet.

Nicht zuletzt würde ältere oder nicht verkaufte Kleidung wieder in Indien landen, wo sie bergeweise nach Farben sortiert und zu neuen Fäden verarbeitet würde.

Bild 1 klein

Im zweiten Teil referierte Frau Leistner über Kakao. Die alten Azteken verwendeten Kakaobohnen als Zahlungsmittel. Kakao liebt Wärme und Schatten. Deshalb wird der Strauch unter Bananenstauden gepflanzt. Nach 5 Jahren erscheinen Blüten, aus denen die Schoten entstehen. Diese werden mit Macheten (Kinder verletzen sich oft dabei) halbiert und die weißen weichen Bohnen heraus gekratzt.

Es folgt das Fermentieren – eine Gärung über 4 bis 5 Tage. Danach werden die Bohnen zum Trocknen ausgebreitet und dabei braun. In Säcken kommen sie zu uns, werden geraspelt oder fein zu Pulver vermahlen.

Aus den stark fetthaltigen weißen frischen Bohnen wird Kakaobutter (wie Öl) gepresst. Weiße Schokolade besteht nur aus weißen frischen Bohnen, dunkle Schokolade aus getrockneten braunen Bohnen.

Die Elfenbeinküste ist Kakao-Lieferant Nummer 1. Jeder Vierte dort lebt vom Kakaoanbau. Die Bauern sind so arm, dass ihre Kinder keine Schule besuchen können, sondern mitarbeiten müssen, damit die Familie überleben kann. Viele der ärmsten Kinder werden laut der Referentin als Sklaven an Bauern verkauft. Sie leiden an Rückenschäden und Migräne durch die Pestizide.

Eine-Welt-Läden beziehen ihre Waren direkt von den Produzenten. Daher sind die Waren etwas teuerer als im „freien“ Handel. Dafür wird aber garantiert, dass der größte Teil des Verkaufspreises beim Erzeuger ankommt.

Während des Vortrags bot Frau Leistner den Schülerinnen und Schülern auch braune und weiße Schokolade zum Probieren an. Dieses Angebot wurde gerne angenommen.

Bei uns in der Gegend gibt es Eine-Welt-Läden in Sulzbach, Amberg, Weiden. Am Hahnbacher Fronbergfest ist regelmäßig ein Stand vertreten.

Das „Fair-Trade-Siegel“ garantiert den direkten Weg vom Produzenten in den Handel. Leider wirkt es der Kinderarbeit nur zu 1% entgegen. Aber es ist zumindest ein Tropfen auf den heißen Stein – der Anfang eines besseren Weges.

Fair trade

Herzlich bedankten sich Schüler und Lehrkräfte bei Frau Leistner für den eindrucksvollen Vortrag.